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Testosteron: Das Hormon des Mannes

Testosteron ist das wichtigste der männlichen Geschlechtshormone. Diese werden auch als Androgene bezeichnet
von Dr. med. Dunja Voos, aktualisiert am 30.03.2017

Testosteron fördert unter anderem das Wachstum der Körperbehaarung

W&B/Shutterstock

Kurz gesagt:

Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon. Es wird hauptsächlich in den Hoden gebildet. Störungen des Stoffwechsels, die Testosteron und andere Hormone mit einbeziehen, können nicht nur Männer, sondern auch Frauen betreffen.

Was ist Testosteron?

Testosteron ist mit Abstand das wichtigste Geschlechtshormon des Mannes. In geringen Mengen kommt es auch bei der Frau vor. Testosteron entsteht in den sogenannten Leydig-Zellen des Hodens. Bei beiden Geschlechtern produzieren zudem die Nebennieren in begrenztem Maße Testosteron. Die Hoden werden von der Hirnanhangsdrüse und dem Hypothalamus im Zwischenhirn gesteuert. Die Hirnanhangsdrüse gibt das follikelstimulierende Hormon (FSH) und das interstitielle zellstimulierende Hormon (ICSH) ins Blut ab. Letzteres ist vor allem für die Testosteronproduktion zuständig, während Ersteres die Bildung der Spermien steuert – mithilfe von Testosteron.

Welcher Wert ist normal?

Bei erwachsenen Männern liegt die Gesamt-Testosteronkonzentration im Blutserum bei 2,41 bis 8,27 µg/l. Diese Werte gelten für eine Blutentnahme zwischen acht und zehn Uhr morgens. Am Abend fällt der Testosteronwert um etwa 20 Prozent ab.

Bei Frauen liegt der Testosteronspiegel zwischen dem dritten und fünften Zyklustag bei etwa 0,14 bis 0,76 µg/l. Das Hormon kommt bei der Frau aus der Nebenniere.

Ein sehr kleiner Prozentsatz des Testosterons kreist frei im Blut. Der Rest ist an Eiweiß gebunden, darunter an das sogenannte sexualhormonbindende Globulin (SHBG). Manchmal zieht der Arzt zusätzlich zum Testosterongesamtwert auch den Testosteron/SHBG-Quotienten, der das biologisch wirksame, freie Testosteron abbildet, zur Beurteilung heran.

Der Testosteron/SHBG-Quotient (auch freier Androgen-Index genannt) liegt bei Männern bei 7 bis 100 Prozent (altersabhängig) und bei Frauen unter 6 Prozent.

Wann steigt der Wert?

Erkrankungen oder bestimmte Störungen der Nebennieren können durch größere Mengen Testosteron im Blut gekennzeichnet sein. Die Auswirkungen sind bei Frauen und Männern beziehungsweise Mädchen und Jungen natürlich unterschiedlich. Bei Jungen/Männern und Mädchen/Frauen kommt es zu Störungen der Sexualentwicklung und -funktionen. Bei Frauen treten im Zuge dessen auch Vermännlichungserscheinungen auf.

Beide Geschlechter können außerdem unter Wachstumsstörungen leiden.

So führt das erblich bedingte adrenogenitale Syndrom (AGS) zum Beispiel dazu, dass die Produktion von Aldosteron und Cortisol in den Nebennieren gestört ist. Stattdessen fällt mehr Testosteron an. Bei Mädchen lässt sich dann unter anderem eine verstärkte Behaarung und eine fehlende Brustentwicklung feststellen. Die Menstruation bleibt aus. Bei Jungen deutet eine verstärkte, vorzeitige Entwicklung von Geschlechtsmerkmalen wie Achsel- und Schambehaarung sowie Bartwuchs auf eine vorgezogene Pubertät hin. Die Keimdrüsen in den Hoden sind aber unreif. Mithin gibt es beim AGS verschiedene Formen und Ausprägungen.

Äußerst selten bilden bösartige Tumoren der Nebennierenrinde, die beide Geschlechter betreffen können, Testosteron.

Auch der Bartwuchs wird durch Testosteron angeregt

W&B/Shutterstock

Jüngere Frauen mit Adipositas entwickeln mitunter zystische Veränderungen an den Eierstöcken (polyzystisches Ovarsyndrom, auch PCO-Syndrom genannt). Es finden sich erhöhte Testosteronwerte, die Vermännlichungserscheinungen und weitere Störungen verursachen. An den seltenen, überwiegend gutartigen Keimdrüsentumoren der Eierstöcke (Sertoli-Leydig-Zelltumoren) erkranken ebenfalls meist junge Frauen. Auch diese Tumoren können zu erhöhten Testosteronspiegeln mit den entsprechenden körperlichen Veränderungen führen.

Wann ist der Wert zu niedrig?

Die Testosteronkonzentration im Serum kann nach längerer körperlicher Arbeit niedriger als gewöhnlich sein. Auch Stress, schwere Erkrankungen, erbliche Störungen, höheres Alter, eine Narkose, Alkohol, Drogen oder bestimmte Medikamente können den Testosteronwert senken.

Tumoren des Hodens, ein Funktionsverlust des Hypophysenvorderlappens sowie erhöhte Prolaktinwerte im Blut können ebenfalls erniedrigte Testosteronspiegel zur Folge haben.

Auch beim Klinefelter-Syndrom sind die Testosteronwerte erniedrigt. Dabei handelt es sich um eine Chromosomenstörung, bei welcher der Junge meist mit zwei weiblichen und einem männlichen Geschlechtschromosomen zur Welt kommt (47 XXY).

Ein erniedrigter Testosteronwert kann zu einer Feminisierung des Mannes führen. Er entwickelt dann weibliche Züge. Zum Beispiel vergrößert sich aufgrund eines vermehrten Wachstums der Brustdrüsen (Gynäkomastie) das Brustgewebe. Das ist unter anderem typisch für das zuvor genannte Klinefelter-Syndrom.

Die Bestimmung von Testosteron kann außerdem die Effektivität einer Hormontherapie bei Prostatakrebs anzeigen.

Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Peter B. Luppa, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München



Bildnachweis: W&B/Shutterstock
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